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Die Katastrophe von Kopenhagen
Freitag, 26. Februar 2010 um 14:19 Uhr
Als »Eine Katastrophe« bezeichnete der schwedische EU-Ratspräsident Andreas Carlgren den Weltklimagipfel. Anstatt negativ über Kopenhagen zu titeln, hätte er vielleicht eindringlicher darauf hinweisen sollen, dass das seit über 10.000 Jahren anhaltende, gemäßigte Klima in dem wir leben, ein Geschenk und keine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht wäre dann den Delegierten ein Licht aufgegangen und sie hätten verstanden, dass das Klima einem Drahtseilakt natürlicher Kräfte entspricht. Über 2,6 Millionen Jahre war die Erde gefangen im quartären Eiszeitalter, bis sie wieder einen Ausgleich zwischen Emission und Speicherung klimawirksamer Gase erreichte, um die nachglaziale Atmosphäre zu stabilisieren.

Dann aber kam der Mensch, erkannte den Nutzen von Steinöl und eröffnete das globale Klimaexperiment. Heute kennt die Förderung und die Verbrennung gespeicherter Klimageschichte in Form von festen, flüssigen und gasförmigen Kohlenwasser-stoffverbindungen keine Grenzen mehr. Dem fossilen Pyromanismus hält derzeit nichts stand, nicht einmal der Alt-Aphorismus: »Und verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun«. Denn spätestens seit dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarates 2007, weiß die Gattung des Homo sapiens, also der des weisen Menschen, um die Auswirkungen anthropogenen Handelns Bescheid! Wir wissen, dass die durchschnittlich nur 10 km mächtige Troposphäre die Grundlage des menschlichen Daseins ist und dass diese, mit unvorhersehbaren Folgen für uns Menschen, durch das industrielle Treiben verändert wird.

Wie verletzlich die Leben spendende Klimahülle zu sein scheint, bestätigen aber nicht nur wissenschaftliche Abhandlungen. Eindrucksvoll sind vor allem die subjektiven Eindrücke eines jeden Kosmonauten, welche die dünne Klimahülle im Verhältnis zum Erdumfang und des im Kontrast stehenden dunklen Weltraums sehen. Die Realitätswahrnehmung um den Schutz unserer Erde nimmt anscheinend mit der Entfernung zu dieser zu. Undurchführbar selbstverständlich der Wunsch, alle Delegierten der 193 Teilnehmerstaaten des Weltklimagipfels einen selbigen Blick auf die Erde gewähren zu lassen. Das Ergebnis von Kopenhagen hätte sich damit jedoch mit Sicherheit klimafreundlicher darstellen lassen!

Kopenhagen, das stellte sich schnell heraus, war primär kein Gipfel des Klimaschutzes. Vielmehr ging es dem Gipfelplenum um die Interessen des Kapitals und um die Souveränität ihrer Staaten. China setzte sich unter anderem damit durch, dass die internationale Beratung und Analyse, welche die Staaten zulassen müssen, nationaler Priorität untergeordnet werden darf. Damit ist eine unabhängige Überprüfung zukünftig ausgeschlossen und die Ergebnisbeurteilung verkommt zu einer orakelten Farce. Und das in postfeudale Interessen eingebundene Kapital schickte wie selbstverständlich eine ganze Armada an Lobbyisten zur präventiven Abwehr strukturellen Schadens. Diese Kräfte nehmen nicht einmal die Drohgebärden des Nicholas Stern wahr, der bereits 2006 postulierte, dass gemeinsames Handeln das Billigste und Effizienteste wäre. Hier zeigt sich besonders effektiv, dass die unsichtbare Hand des liberalen Marktes nicht gegen das latente Kostenrisiko von Klimaschäden steuern kann, sondern die kurzfristige Rendite näher liegt als das Wohl der Menschheit.

So wäre Kopenhagen eine gute Idee und eine außergewöhnliche Chance gewesen, wären da nicht 45.000 Teilnehmer und 120 Staats- und Regierungschefs gewesen. Das Globalziel war einfach eine Nummer zu groß. Anscheinend war die Welt am 19. Dezember 2009 noch nicht soweit und der Leidensdruck noch nicht groß genug. Was interessiert schon den Hochwasser geplagten Tuvalu-Inselbewohner die Rendite von amerikanischen Großaktionären und was den »American Way of Life« das Zwei-Drittel-Artensterben aller Tierarten im Krüger Nationalpark bei einer Erderwärmung um 2,5 Grad Celsius. Zwar ist die Menschheit in Kopenhagen physikalisch ein Stück näher zusammengerückt, mental aber noch weit voneinander entfernt.

Was bleibt ist eine Absichtserklärung, die sich nennt »Übereinkunft von Kopenhagen«. Es ist nur ein Kompromiss, kein UN-Vertrag und wurde wohlwollend von allen Anti-Klima-Lobbyisten nicht nur zur Kenntnis genommen. Mag sein, dass die Anerkennung des 2-Grad-Ziels ein Fortschritt ist, die Nichtvereinbarung von konkreten Zahlen zur Emissionsminderung jedoch ist ein nicht mehr gutzumachender Schaden. Dabei ist eines gewiss und das kann man heute schon sagen: „Kopenhagen, das werden uns unsere Erben noch lange nachtragen!“.

Erschienen als Gastkommentar in:
"Energie-KOMPAKT -- Das Fachmagazin unabhängiger Energieberater": DOWNLOAD

und

OHA - Zeitung aus dem Pfaffenwinkel: DOWNLOAD

 
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