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Unkoordinierte Energiewende - Leserbrief nach Berichten zur Geothermie und Großanzeige zur Windkraft vom 26./27. November 2011
Als Weilheims Bürgermeister Markus Loth in der Kreistagssitzung vom 14. Mai 2010 der CSU-Kreistagsfraktion zu einer knappen Mehrheit bei der Abstimmung über die Aufgabenbeschreibung eines Energiemanagers verhalf, war bereits abzusehen, dass die weitere ablehnende Haltung zur Gründung eines Energiemanagements ein großer Fehler sein würde. Spätestens jetzt stehen diejenigen Politiker, die die bürgergeführte Energiewende verhinderten, vor dem Scherbenhaufen ihrer eigenen Politik. Keine professionellen Energiemanager auf Kreis- und Ortsebene, die den kommunalen Verwaltungen zur Seite stehen, Vernetzung und Aufklärung betreiben, die Akzeptanz steigern und mit Gemeinde-/Stadtwerken Bürgerbeteiligungsprojekte (z.B. akzeptierte Bürgerwindkraft) planen und durchführen würden. Stattdessen eine von der Staatsregierung angeordnete Energiewende und immer mehr Bürgerprotest im ganzen Landkreis.
Was die einen Bürger wollen, wollen andere Bürger wieder nicht.
Gegen jedes Projekt der Energiewende wird der Aufstand geprobt. Nein zu Solarwiesen, zur Wasserkraft, zur Geothermie, zur Biomasse und jetzt letztendlich das Nein zur Windkraft in ganzseitigen, teuren Anzeigen (s. untenstehende PDF). Dabei arbeiten die Bürgerinitiativen mit der Angst ihrer Mitbürger, um auf ihre Interessen aufmerksam zu machen. So wird es ebenso wenig dampfende Kühltürme bei der Geothermie geben, wie es auch keine Windkraftwerke neben der Wieskirche, analog der Bildmontagenanzeige »Windenergie – die Zukunft in Bayern?« geben wird. Und was machen die politisch Verantwortlichen? Sie dümpeln vor sich hin, reagieren nur, anstatt im Interesse ihrer Haushalte zu agieren.
So stehen die Türen offen für Investoren, die wissen wie mit der Energiewende Geld zu verdienen ist. Bürgerinteresse dann, meist Fehlanzeige! Eine sanfte Energiewende muss kommunal begleitet werden und dafür hätte es fachmännische, personelle Unterstützung gebraucht. So wird es nun nichts mit einem intelligenten Energiemix aus Energiesparen und -effizienz, mit erneuerbaren Energien, die sich in das Landschaftsbild unseres Landkreises hätten einfügen können. Unsere Kreisstadt Weilheim zum Beispiel hätte mit den Einnahmen der Energiewende ihren Haushalt langfristig sanieren können. Statt diese Erträge zu ernten, ernten sie jetzt vermehrt den Unmut ihrer Bürger. Da stellt sich die Frage, ob hier die richtigen Verantwortlichen das Ruder in der Hand halten.
Marcus Reichenberg Kreisrat Bündnis 90/Die Grünen
Leserbrief "Nein zum Energiemanager war ein großer Fehler", Weilheimer Tagblatt 30.11.2011: PDF
Anzeige "Windenergie - Die Zukunft in Bayern?", Weilheimer Tagblatt 26./27.11.2011: PDF
Kommentar: "Unkoordiniert" Energiewende, Weilheimer Tagblatt 26./27.11.2011: PDF
"Bereits Pläne für 20 Windkraftanlagen", Weilheimer Tagblatt 26./27.11.2011: PDF
Am 21. November 2011 traf sich der Agenda Arbeitskreis "Energie- und Klimaschutz" zur gemeinsamen Sitzung im GloDis Konferenzraum. Alle Teilnehmer waren einstimmig der Meinung, dass die Energiewende nicht transparent von der Stadt Weilheim umgesetzt wird und es weitere fachmännische Untersützung braucht. Daraufhin wurde gemeinsam folgender Antrag formuliert:
Antrag des AK Energie- und Klimaschutz der Weilheimer Agenda21 an die Stadt Weilheim vom 21.11.2011: PDF Bericht darüber im Tagblatt "Woher weht der Wind": PDF
eMail von Herrn Wörle:
Sehr verehrter Herr Reichenberg, zuerst einmal vielen Dank für das angenehme Gespräch, das wir letzten Samstag (21. Januar 2012) in der Wies führen haben können. Hier die paar Zeilen, die ich Ihnen versprochen hatte. Grundsätzlich möchte ich schon feststellen, dass die Energiewende eine umfassende, parteiübergreifende Aufgabe ist, der wir uns alle miteinander stellen müssen. Die politischen Vorgaben sind gegeben – nun liegt es an uns diese dann auch in die Tat umzusetzen. Ich bin ja grundsätzlich ein harmoniebedürftiger Mensch und deshalb hat mich die öffentliche Diskussion um meine Person als „Windkraftmanager“ doch sehr mitgenommen. Grundsätzlich kann ich Ihnen versichern, dass ich nichts vorhatte, bei dem meine Bevölkerung nicht mit eingebunden gewesen wäre. Bürgerkraftwerke mit Beteiligung der örtlichen Gemeinden und der Privatpersonen ist bei meinem Anliegen immer im Vordergrund gestanden. Es war sogar die Angst, dass, wie auch sonst immer üblich, die Konzerne sich die Rosinen herauspicken und der brave Bürger wird die Energie schon bezahlen. Eine meiner Meinung nach riesige Chance auf Wertschöpfung in der Region zu halten, wird momentan in internen Grabenkämpfen zwischen den Gemeinden untereinander und mithilfe der Gegner von WEA`s fahrlässig vertan. XXXX ist z.Bsp. bei uns schon seit Monaten (bereits seit Anfang 2011! – dies zum Thema Informationsvorsprung der Bürgermeister) unterwegs, um sich Flächen zu sichern. Ich weiß von einem Landwirt, der bereits 4 Flächen vertraglich diesem Büro verbindlich zur Verfügung stellt. Was dann mit diesen Flächen passiert, können wir uns an zwei Fingern abzählen: Der Meistbietende erhält die Standorte und wer das ist, brauche ich Ihnen sicher nicht zu sagen. Wie erwähnt, eine Riesenchance, ganze Gemeinden energieautark zu machen, verträgliche Standorte miteinander zu entwickeln und sichere Geldanlagen den Bürgern anbieten zu können, wird momentan leichtsinnig vertan. Wir haben miteinander in der Wies die Bedenken der Gegner ja aufnotiert. Eine Gruppierung stellte sich gegen mein Anliegen mit dem Argument „wir sind ja für alternative Energie, aber…“ Und bei uns musste halt dann das Weltkulturerbe Wies herhalten, es ist zwar ein ganzer Höhenzug dazwischen, aber das Feigenblatt UNESCO war ganz gut herzunehmen. Ich hoffe, wir können noch retten, was zu retten ist, hoffe weiterhin, Ihre Meinung relativiert zu haben und auf weitere gute Zusammenarbeit. Xaver Wörle
Herr Wörle versicherte mir, dass es sein Anliegen ist, Erneuerbare Energien mit Bürgerbeteiligung umzusetzen. Ich bedanke mich bei Herrn Wörle für das Wieser Gespräch und wünsche viel Erfolg bei der Umsetzung der Energiewende mit Bürgerbeteiligung!
A Gschmäckle zur Windkraft!
Ein "Gschmäckle" hat, wenn sich Herr Bürgermeister Xaver Wörle (CSU) aus Steingaden an einer privaten GmbH (Bavaria Ventus) beteiligt, die sich auf Windkraftanlagen spezialisiert hat. Warum? Weil die Bürgermeister als einzige über die Potentialflächen im Landkreis im November 2011 informiert worden sind. Wie heißt es so schön: "Der frühe Vogel fängt den Wurm".
Damit steht es Herrn BGM Wörle frei, sich die Flächen zu sichern und privatwirtschaftlich zu vermarkten. Seine Gemeinde Steingaden, mit ihren Bürgern wird das nachsehen haben. Wenn, dann hätte Herr BGM Wörle eine gGmbH oder eine Genossenschaft in Zusammenarbeit mit seiner Gemeinde gründen müssen. So hat das ganze ein "Gschmäckle"!

Auch das Schongauer Tagblatt findet diese Situation befremdlich, lt. Berichterstattung "Bürgermeister als Windkraft-Manager": PDF - PDF
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